#KartoffelnausBodenhaltung – Gedanken zur modernen Selbstvermarktung

KartoffelnausBodenhaltung

Es sind nun schon fast zwei Jahre seit meinem letzten Erfahrungsbericht vergangen. (Ich weiß, es ist sehr vorteilhaft für mich aufgerundet, aber wer möchte darf mich gerne verklagen.) Wenn man es genau nimmt, wird das auch kein wirklicher Erfahrungsbericht, sondern eher eine Art Beobachtung der Geschehnisse um mich herum. Natürlich muss ich vorweg schreiben, dass ich keine Person mit diesem Schreiben (un)absichtlich angreifen beleidigen möchte, denn es ist definitiv meine Absicht. Es ist einfach wie ist immer ist.  Der Konsens des eigenen Selbst mit der Umwelt, fällt einem viel leichter, wenn man sich angegriffen und gleichzeitig gut unterhalten fühlt. Ich habe nichts gegen jegliche Formen der Ernährung. Das muss jeder halten wie er es für sich selber als richtig empfindet. Und trotzdem werdet ihr in diesem Text einige passende Analogien zwischen Ernährungsgewohnheiten, Ernährungsabnormitäten und der uns umgebenden Realität finden. Leben und leben lassen ist die Devise (Nun fast… wenn ihr gerne Fleisch esst, dann ist das mit dem Leben lassen schon eine moralische Grauzone…) Ich verwende aber für mein Leben gerne Synonyme um ein paar durchaus ernste Themen mit etwas Witz zu entschärfen und hoffe, dass sie trotzdem zum Nachdenken anregen.

Ihr fragt euch jetzt sicher, was dieser reißerische Hashtag mit dem Phänomen der modernen Selbstvermarktung zu tun hat? Das ist ganz leicht erklärt. Es ist heutzutage einfach ein Fakt, dass man etwas als besonders kennzeichnet, weil man etwas findet, das besonders toll klingt auch wenn es einfach nichts Besonderes ist. Sicher ist auch der dümmsten Kartoffel an diesem Punkt der Geschichte bereits aufgefallen, dass ja eigentlich alle Kartoffeln in der Erde wachsen (Ich sage euch an dieser Stelle, dass es auch Kartoffeln gibt, die mittels Genexperiment in Watte gezüchtet werden. Das sind die Kartoffeln die irgendwann Amok laufen und die ganze Menschheit auslöschen…. *Aluhut aufsetz*)

Unsere Welt, das Feld

Soachato #KartoffelnausBodenhaltungFakt ist, wenn wir von eben diesen außergewöhnlichen Kartoffeln mal Rückschlüsse auf uns selber ziehen, dass wir alle gerne ein besonderes Label hätten. Etwas das uns kennzeichnet und uns von der großen grauen Masse absetzt. Das ist der Grund, warum wir uns Masken aufsetzen die bunter sind als die unserer Mitwuffel oder eine Stunde länger ins Fitnessstudio gehen um noch knackiger zu sein, als die anderen Kartoffeln. Unsere Chancen die geile Sau abzukriegen, steigen ja immerhin drastisch, wenn wir die knackigste und dickste Kartoffel im Trog sind (Vorsicht, der Autor hat definitiv zu oft Ferien auf dem Bauernhof gemacht). Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, wenn man nicht direkt versucht den einfachsten Weg zu gehen. Ehrgeiz ist zwar eine feine Sache, die damit verbundene Arbeit wird aber niemals mit pfiffiger Wortklauberei aufgewogen. An dieser Stelle merkt ihr, dass das Ding mit dem Label auch zu einem Problem werden kann. Wenn sich alles darum dreht die dickste Kartoffel zu sein, und von allen Gesehen und geliebt zu werden, läuft man immer Gefahr das wichtigste überhaupt einzubüßen, nämlich den guten Geschmack. Und ihr wisst alle gut genug aus eigener Erfahrung, dass es immer die eine faule Kartoffel gibt, die einem den Erfolg neidet. Jene Kartoffel, die so schimmelig und matschig ist, dass um sie herum alle anderen Kartoffeln auch stinkig werden. Habt ihr euch jemals gefragt, wer diese kleine giftige grüne Kartoffel ist, die nicht nur absolut Null Ehrgeiz aufweist um erfolgreich zu sein, die anderen lieber ein Bein stellt als selber zu laufen?  Jetzt mal Hand aufs Herz, wart ihr schonmal diese Kartoffel? Ich höre jetzt Alle Schreien „Nein! Niemals und als ich doch mal der faule Stinkeknollen war, dann nur weil die andere Kartoffel zuerst angefangen hat zu stinken!“ Na wem fällt es auf worauf ich hinaus will? Diese Frage darf sich jeder Leser selber beantworten. Ihr solltet aber einfach wissen, dass es viel zu leicht ist aus dem Stolz heraus die falschen Schlüsse zu ziehen. Und auch dann, wenn ihr bis zur Ernte tief im Boden steckt, und niemand weiß, wer genau da von der anderen Seite der Ackerscholle aus Unfug daher schwaddelt, sobald man euch aus dem Dreck zieht, seid ihr doch wieder für all eure kleinen Giftigkeiten selbst verantwortlich, egal wie gut die Rechtfertigung ist, die ihr euch dafür zusammenbastelt. Oder um es mal direkter zu formulieren. Wenn man aufgrund der Puppymaske nur bedingt gezwungen ist sein Gesicht zu zeigen, vergesst einfach nicht, dass ihr diejenigen seid, die ihre Maske tragen. Und das seid ihr immer, ob ihr sie anhabt oder nicht. Schlimmer noch. Die Leute merken sich sogar, was für eine Art Kartoffel/Mensch/Wuffel ihr seid, völlig unabhängig davon, was ihr gerade versucht darzustellen.

Um mal bei dem Vergleich mit unserer modernen Lebensmittelindustrie zu bleiben. Ihr seid eure eigene Marke . Ihr gebt euch euer eigenes Label, und dabei trefft ihr auch jedes Mal die Entscheidung ob ihr hohe Qualität oder eben Billiglasagne mit Pferdefleisch drin seid. Wie hoch eure eigene Qualität letztendlich bewertet wird, habt ihr selber alleine dadurch in der Hand, dass ihr euch und euren Charakter mit vielen hochwertigen Zutaten füllt. Und ja, dieser Vergleich ist als schallende Ohrfeige gemeint. Denn wie soll jemand eure Qualität zu würdigen lernen, wenn ihr eurer Umwelt nur zeigt, dass ihr den Preis den ihr eurer Marke aufdrückt letztendlich gar nicht wert seid? Und hier kommen wir letztendlich wieder zu den Kartoffeln aus Boden Haltung. Ja, jede Kartoffel ist ein Ackerprodukt. Von diesem Ausgangspunkt aus, seid ihr alle gleich, egal ob ihr dick oder dünn seid, oder ob ihr einen besonders langen und dicken Keim habt oder einen kleinen (oder sogar mehrere … alles ist möglich in der magischen Welt der Kartoffeln)

Veganer Fleischsalat – Das Problem mit dem Etikettenschwindel

Tja liebe Freunde, jetzt habt ihr den Salat (chrchrchr… Flachwitz) Mir wurde gesagt ich sei lustig, und das bestärkt mich tatsächlich darin noch weiter zu schreiben. Ich werde mein Abschlussplädoyer allerdings erst einmal mit einem Lob beginnen um euch in falscher Sicherheit zu wiegen. Hurra, du hast es geschafft, du kannst lesen. Das zeigt uns zweierlei Dinge. Zum einen hast du es ganz offensichtlich geschafft die Grundschule relativ unfallfrei zu überstehen um diese Fähigkeit sinnvoll und vor allem auch sinnbefreit im Alltag anwenden zu können. Nicht umsonst verschwendest du gerade wertvolle Lebenszeit, die du übrigens niemals wieder bekommst damit, dass du einen willkürlich daher getippten Text im Internet liest, in dem es darum geht menschliches Verhalten mit Knollengewächsen zu vergleichen. Das bringt aber auch eine gewisse Verantwortung mit sich, denn du hast ganz offensichtlich das nötige Grundalter erreicht um dich selber als Teil deiner Umwelt und nicht nur als Zentrum deines eigenen kleinen Kosmos zu erleben. Noch schlimmer sogar, ich erwarte von dir, dass du dies unter Berücksichtigung von allgemeingültigen moralischen Anforderungen tust. Trotzdem will ich eure Mühe nun einfach damit belohnen, dass ich zu meinem großen Finale ansetze und euch auf eine ganz besondere Art zum Grübeln bringe. Ich habe schon so viel über die Vorzüge der Unterschiede gesprochen und bin doch noch nicht zum Punkt gekommen.

Wie bereits erwähnt, ist es das Label das wir selber uns verpassen, welches den Interessenten und Konsumenten von uns selbst als Produkt überzeugt. Es gibt in der Regel Aufschluss darüber, was denjenigen der unsere Verpackung öffnet letztendlich erwartet. Was aber passiert, wenn ihr euch einfach nur auf euer Etikett schreibt, was zwar gar nicht in euch steckt, ihr aber gerne in euch stecken hättet? Wuha, tiefsinnig oder? (und auch ein wenig Ü18, denn immerhin… Sex sells!)  Es entspricht aber leider viel zu oft den Tatsachen. Bist du wirklich Bio? Oder zumindest so viel mehr Bio als die anderen Kartoffeln draußen auf dem Feld? Nein eigentlich nicht, aber seien wir ehrlich, jeder wäre es gerne oder? Und das ist es ja auch worum es eigentlich beim Pupplay geht. Wir erschaffen uns eine alternative Persönlichkeit in deren Rolle wir schlüpfen und die wir Dinge tun lassen, die wir als wir selbst so nicht tun würden. Das ist im Grunde genommen nichts Schlimmes, denn es dreht sich auch bei diesen fiktiven Dingen immer um Eigenschaften die wir schätzen und die wir gerne in unser Repertoire aufnehmen würden. Oder so sollte es zumindest sein. Sich selbst nicht mehr als den Menschen unter der Maske zu sehen, sorgt gleichzeitig auch dafür, dass wir unsere Mitmenschen in dieser kleinen aber feinen Community nicht mehr als die Menschen wahrnehmen die sie eigentlich sind. Sie werden zu Dingen, Spielzeugen, Trophäen oder ähnlichem, aber einfach keine Menschen mehr. Und gegenüber Dingen ist die Hemmschwelle doch deutlich geringer als gegenüber einem Lebewesen, dass nicht man selbst ist. Die Entwicklung, der sich diese Community mittlerweile ausgesetzt sieht, sorgt dafür, dass es einfach nur noch sehr wenige von uns gibt, die damit zufrieden sind im Publikum zu sitzen. Es mag auch niemand ein Statist sein oder eine Nebenrolle spielen. Nein wir alle stehen auf der großen Bühne und erwarten nichts anderes mehr als die Hauptrolle zu spielen.

Sollen die anderen doch klatschen, denn jedem einzelnen gebührt das Rampenlicht. Jeder weiß, es kann keinen Film geben in dem es nur Hauptrollen gibt und so sehen wir uns alle ständig unserer Konkurrenz ausgesetzt, die uns auch noch in allem was wir uns mit Mühe und Not so hart erarbeitet haben überflügelt. Wir beginnen uns zu rächen da der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus uns höchstens dazu nötigt, unseren Freunden das dickere Schnitzel zu neiden. Und ja ich höre jetzt wie ihr euch fragt: „Was hat das jetzt mit veganem Fleischsalat zu tun?“ Ich würde euch bitten, euch einfach mal das Wort selbst durch den Kopf gehen zu lassen…. Wieso sollte jemand, der vegan Leben möchte trotzdem in den Genuss von Fleischsalat kommen? Richtig, möchte er eigentlich gar nicht, aber irgendein pfiffiger Wurstfabrikant, kam auf die geniale Idee, dass sie es gerne möchten wollen würden. Man muss es Ihnen nur verkaufen und um es noch unkreativer zu gestalten, als es eigentlich eh schon möglich ist, wurde das fertige Produkt nicht mal schön etikettiert. Es wurde einfach nur das Wort vegan vor den Inbegriff des eigenen Wiederspruchs gesetzt und sich danach für diese glorreiche Idee gefeiert. Ein anderes schönes Beispiel, was diesen einen Standpunkt auch noch deutlich greifbarer macht, ist folgendes: Auch mit noch so viel Glitter, bunten Streuseln und Glasur wird aus einem Kackhäufchen einfach kein Schokokuchen. Allein der Versuch das zu testen würde jeden von uns mit Ekel erfüllen, wenn es um ein richtiges Häufchen ginge. Und doch sind wir einfach zu gerne bereit, diesen Trick bei uns selber zu versuchen, wenn wir uns einfach endlos Mies, absolut rücksichtslos oder kurz gesagt einfach scheiße gegenüber unseren Mitmenschen verhalten. Klingt echt weit hergeholt oder? Ist es aber nicht. Das sollte euch alleine die Tatsache klar machen, dass schon lange nicht mehr „Entschuldigung es tut mir leid“ gesagt wird. Stattdessen wird das eigene Fehlverhalten gerechtfertigt und das Opfer direkt mal mit zum Täter erklärt. Und am Ende, wird einfach noch einer oben drauf gesetzt, um den anderen zum Schluss noch richtig schön zu demütigen. (Ich hoffe ihr habt dabei alle noch das Sinnbild mit dem Kothäufchen vor dem geistigen Auge, die Formulierungen machen so erst richtig Spaß) Wie kann jemand auch einfach kackend dreist anderer Meinung sein als ich oder Kritik an etwas äußern, das mir Spaß macht und mir einen Vorteil bringt? Ich hoffe einfach, dass jeder sich gerade während des Lesens selber dabei ertappt, wann und wie oft er selber sich schon so Verhalten hat und das dabei vielleicht das eine oder andere Grinsen dabei verloschen ist. Wir nehmen gar nicht mehr wahr, dass wir wirklich ohne Gewissensbisse in Kauf nehmen, wenn andere für unsere Träume und Wünsche bezahlen oder schlimmer noch… bluten müssen. Kontrovers ist dabei allerdings, dass wir es absolut nicht hinnehmen können, wenn andere uns für die eigenen Ziele zur Ader lassen. Wir andersrum aber kaum Gewissensbisse aufweisen. Schließlich sind die Leute die wir geleimt und verletzt haben ja auch selber schuld, wenn sie doof genug sind auf so eine Masche herein zu fallen.

Was wirklich traurig daran ist, und damit komme ich mal langsam zum Ende, dass man auch ohne die besonders tollen geschwindelten Etiketten, all die Siegel und Auszeichnungen, die wir uns selber in fast anmaßender Überheblichkeit verpassen, etwas Besonderes sind und sein können. Wir sollten uns nur einmal daran erinnern, dass all die Kartoffeln um uns herum in der gleichen Erde wachsen wie wir. Nicht besser und nicht schlechter, sondern einfach nur weitere #KartoffelnausBodenhaltung.

Anmerkung der Redaktion:

Haha, da wären wir schon wieder beim eigenen Label. Wir und Redaktion.

Aber ernsthaft: Es sein einfach kurz erklärt was das Ganze eigentlich soll.

Unser SoaCh hat, wie ihr inzwischen wissen, seinen eigenen Blick auf die Welt und eben manchmal auch ein Talent dafür einem den Spiegel nicht nur vorzuhalten, sondern ihm eben diesen sprichwörtlich in die Fresse zu zimmern. Denkt also einfach mal ein paar Minuten über das Gelesene nach. Seid ihr besser als die Menschen / Wuffel um euch herum? Ihr dürft und sollt ruhig anders sein und gern auch etwas Besonderes, aber vergesst dabei einfach nicht: Am Ende sind wir alle Menschen oder wie SoaCh es sagen würde #KartoffelnausBodenhaltung.

P.S.: Ähnlichkeiten zu real existierenden Kartoffeln sind rein zufällig. Beim Schreiben dieses Artikels wurden keine Kartoffeln verletzt.

Schreibe einen Kommentar