SoaChs Wuffelerfahrungen

Hallo ihr Lieben,

heute geht es weiter in der Serie Wuffelerfahrungen mit dem nächsten Wuffel aus unserem Rudel, der euch an seinen Erfahrungen als eben solcher teilhaben lässt. Nachdem ihr in den letzten Beiträgen bereits etwas über Grisu und Vincent erfahren habt, ist heute SoaCh an der Reihe. Unser SoaCh hat die beiden Fragen aus seinem ganz speziellen Blickwinkel beantwortet und daher dürft ihr durchaus gespannt sein auf…

…das SoaChen oder „Ein Schaf im Wolfspelz“

Wie bist du zum Pupplay gekommen?

Böse Zungen mögen behaupten ich sei einfach dazu gezwungen worden und dann in einem typischen Fall von Stockholm Syndrom dabeigeblieben. Andere Theorien besagen es war ein Freund, der anfing sich komisch zu benehmen, weitere Freunde damit ansteckte und mir dann Leute vorstellte, die mir aus heiterem Himmel während eines Dates eine Maske über den Kopf zogen und vergaßen Sie mir wieder abzunehmen. Das klassische Zombieapokalypse Szenario also. Allerdings fehlen noch die bereits bekannten Nebeneffekte wie der Heißhunger auf Gehirne oder die stark eingeschränkte Fähigkeit sich vernünftig und klar zu artikulieren, sodass andere Lebewesen verstehen was man Ihnen mitteilen möchte.

Die Wahrheit ist allerdings weniger spektakulär und reißerisch, beinhaltet aber Elemente aller vorherigen Thesen. Eigentlich stand ich nur auf dem CSD, sah einen Wuffeltrupp nach dem anderen an mir vorbeiziehen und es begann mich zu interessieren. Ich stellte mir die Frage, was einen Menschen wohl dazu bewegen mochte seinen Fetisch so offen durch die Straßen zu tragen und jedem zeigen zu wollen. Das Phänomen der sogenannten „Social Puppys“ war mir bis dato völlig unbekannt. Über die eingehend erwähnten Freunde konnte ich mich immer tiefer in diese neue Community einschmuggeln und faszinierende Beobachtungen machen, die schließlich in einem Selbstversuch endeten. Wie ein Schaf im Wolfspelz also unterwanderte ich diese Gruppe von Menschen aus allen Lebenslagen und begann diesen simplen Akt, sich eine Neoprenmaske überzustülpen und jemand anders zu werden langsam aber sicher zu verstehen. Die wichtigere Frage wäre eigentlich, was hat mich dabei gehalten?

Was bedeutet dir das Wuffeln?

Ja die zuletzt gestellte Frage wird hier beantwortet. So leicht kommt ihr mir nicht davon. Aber um zu wissen, welche Bedeutung ein Individuum nun welchen Sachen beimisst, muss man auch immer wissen mit welcher Art Individuum man es nun tatsächlich zu tun hat. Bei mir ist der Fall irgendwie sehr einfach. Ich bin alles andere als Standard und sicher gar nicht einfach im Denken aber sehr einfach und direkt Hand zu haben. Wenn zum Beispiel alle Puppys von ihrem Headspace sprechen, und wie losgelöst und frei Sie sich darin bewegen können, stehe ich wohl daneben und frage mich wo sie gerade sind, was sie dort tun und ob sie eventuell wohl vor dem Abendbrot wieder zurück sind. Ich bin jedenfalls im hier und jetzt. Ich war immer Ich und habe mich auch nie großartig anders verhalten ob mit oder ohne Maske, ob das jetzt gut oder schlecht ist, darf jeder Leser für sich selbst entscheiden. Das Wuffeln erlaubt es mir persönlich aber, auf eine andere Art und Weise ich selbst zu sein. Ich bin nicht der typische Wuffeltyp, das steht außer Frage fest, da ich Steak rufe, wenn alle Kekse sagen und Kuscheln mit Fremden eher erdulden als genießen kann. Aber hey es müssen ja auch nicht alle gleich sein oder?

Für mich bedeuten die Puppys allem voran Gesellschaft, denn seit ich mich in diesem Kreis mit bewege, habe ich mehr liebevolle und tolle Menschen kennen gelernt als jemals zuvor. Sei es das Rudel, sehr gute und enge Freunde oder einfach gute Bekannte. Es ist faszinierend und auf eine gewisse Art sogar … wie heißt das passende Wort nochmal…. mitreißend, dass die Leute in dieser Verwandlung, denn für viele ist es mehr als einfach nur eine Verkleidung oder ein lustiger Hut, sich öffnen und frei sein können, wie sie es niemals als sie selber gekonnt hätten. Nicht so sehr mitreißend, dass ich mich zu irgendwelchem unSoaChigen oder gar fröhlichen Verhalten herablassen würde (wobei auch das schon passiert ist, wenn man bestimmten Leuten glauben darf), aber doch so sehr, dass es mich wirklich freut mit dabei zu sein. Sicher ist nicht alles eitel Sonnenschein mit Rehkitzen, die über die Wiese huschen und kleinen Häschen, die davon hoppeln. So wie die Menschen in dieser Community ihren fröhlichen und verspielten Wesenszügen freien Lauf lassen, so tun sie es auch mit ihren negativen. Aber vielleicht ist das auch gerade der Reiz, sich auf eine Art zu reizen, die in der normalen Welt niemals passieren würde. Wenn Personen aus Gesellschaftsschichten, die ohne eine Hood niemals voneinander Notiz nehmen würden, sich auf einmal miteinander anfreunden. Die Maske an sich zeigt nichts als die Augen und die sind bekanntlich der Spiegel der Seele (wenn man denn noch eine besitzt) und diese „Verschleierung“ ändert nicht nur die Wesen darunter, sondern auch die Wesen davor. Dabei denke ich zu gerne an eine Runde Bowling unter Freunden, wo all die Wuffel von einer Horde aus Kindern gestreichelt und gekrault und von deren verstörten Aufpassereltern am liebsten in einem Sack in den Rhein geworfen worden wären. Auch Charaktereigenschaften, die normalerweise kritisch beäugt oder belächelt werden würden, finden unter dieser Maske ein heim und werden eher mit Spaß als mit bitterem Ernst oder Abscheu betrachtet. Kurz gesagt, die Community ist ein großer Korb voller tapsiger Welpen, die man zwar immer wieder mal daran erinnern muss, dass sie trotz dem freigelassenem Inneren Kind schon erwachsen sind und nicht alle gute Erziehung vergessen sollten aber deren Freude an ihrer Freiheit schon fast ansteckend wirkt.

Anfangs hätte ich nicht von mir selber erwartet mich mit diesem eher unlogischen Verhalten anzufreunden, doch mittlerweile hat sich SoaCh so fest in mein Leben integriert, dass es sicher weh tun würde ihn abzuschneiden. Er ist für mich weniger eine Möglichkeit mich selber zu befreien und jemand anders zu werden, sondern vielmehr eine Summe aus negativen aber gleichzeitig viel mehr positiven Erfahrungen und schönen Momenten, die mir wirklich fehlen würden, wären sie nicht mehr da.

Schreibe einen Kommentar